Zwischenstopp

Island mit dem Motorrad – geht das?

Eine Motorradrundreise auf der Vulkaninsel im Nordatlantik

Seit frühester Kindheit hat mich die Insel Island auf dem Umschlag meines „Diercke Weltatlas“ fasziniert. Für mich stand fest, wenn ich mal „groß“ bin, muss ich dahin.
Wie spannend diese Insel mit all seinen Vulkanen, Gletschern und Geysiren wohl sein muss, konnte ich mir seinerzeit nur vorstellen. Viele Bücher und Reiseberichte über Island fanden im Laufe der Jahre dann den Weg zu mir und die „Sehnsucht“ wurde immer größer.

Doch ab wann ist man groß? Ausreden, warum es denn in diesem und jenem Moment nicht klappt, gibt es viele. Mal sind es die Kinder, mal der neue Job, das Fahrzeug ist nicht passend (kein 4×4), usw. …
Dann stand eines Tages ein Motorrad (eine Reiseenduro, Yamaha XTZ 750 Super Ténéré) in der heimischen Garage. Und es reifte der Gedanke, man könnte sich doch mit dem Motorrad auf den Weg nach Island machen. Hier müsste am wenigsten Zeit für die Vorbereitung und Geld für das Fahrzeug aufgebracht werden. Außerdem, so hoffte ich, sind die Preise für die Anreise in den Nordatlantik geringer, weil ich weniger Platz benötige.

Im Internet fand ich dann die Anzeige einer Gruppe Motorradfahrer aus dem süddeutschen Raum, die noch einen Mitfahrer für eine Islandtour suchte. Auf diese Weise sollte die bereits gebuchte Kabine auf der Islandfähre „MS Norröna“ aufgefüllt werden.
Das war die Gelegenheit. Nun war ich „groß“!

Vor der Abfahrt - Island mit dem Motorrad
Vor der Abfahrt© ferienwohnungen.de

Es geht los – Island mit dem Motorrad

Die Gruppenmitglieder, die sich vorher nicht kannten, trafen sich das erste Mal auf einem Rastplatz in Handewitt an der Autobahn A7 kurz vor der dänischen Grenze. Alles Fremde … Mein Zimmernachbar für die nächsten 14 Tage würde ein 60jähiger Sonderschullehrer aus Berlin sein. Ob das wohl gut geht? Meine Skepsis war groß!

Das erste Treffen auf dem Rastplatz
Das erste Treffen auf dem Rastplatz© ferienwohnungen.de

Um es vorweg zu nehmen: Ja, es ging gut!
Ich hatte mit Zimmernachbarn einen Volltreffer gezogen. Es entwickelte sich zwischen uns eine tolle Freundschaft. Auch heute sind wir noch regelmäßig auf Tour. Öfter mal die eigenen Bedenken und Vorurteile über Bord werfen, kann ich jedem empfehlen.

Die "MS Norröna" im Hafen von Hirtshals
Die „MS Norröna“ im Hafen von Hirtshals© ferienwohnungen.de

Die erste Nacht verbrachten wir im dänischen Hirtshals, da die Fähre bereits morgens um 7:00 Uhr beladen wird. Die Fährüberfahrt nach Island dauert immerhin rund 2 ½ Tage, mit einem Zwischenstopp auf den Färöer-Inseln. Die Fähre „MS Norröna“ ist übrigens 165 m lang und bietet Platz für bis zu 800 Pkw und über 1.400 Personen. Und sie ist die einzige Fährverbindung von und nach Island.

Ja, die Spanngurte waren notwendig - Es geht über den offenen Atlantik
Ja, die Spanngurte waren notwendig – Es geht über den offenen Atlantik© ferienwohnungen.de

Nachdem die Motorräder geparkt und mit Spanngurten gesichert waren, begann das Abenteuer. Nun gab es kein Zurück mehr.

Ankunft in Island

Einfahrt in Seydisfjördur-Fjord
Einfahrt in Seydisfjördur-Fjord© ferienwohnungen.de

Nach 2 ½ Tagen Anreise würde die Fähre in Seydisfjördur, im Osten von Island ankommen.  Vor der Ankunft wurde der gleichnamige traumhafte Fjord durchfahren. Die Vorfreude auf die Tour stieg bei mir minütlich.

Karte von Island
Karte von Island© ferienwohnungen.de

Als Gruppe hatten wir entschieden, dass wir die Ringstraße Nr. 1 (Hringvegur) entgegen der Uhrzeigerrichtung einmal um Island fahren werden. Die Ringstraße Nr. 1 verläuft rund um die Hauptinsel und ist zwischenzeitlich nahezu vollständig asphaltiert und etwa 1.340 km lang. Die geplanten Etappen waren nie länger als 200 km pro Tag. So hatten wir ausreichend Zeit für Stopps und die Besichtigung der vielen Sehenswürdigkeiten. Übernachtet wurde in der Regel in einfachen Hotels.

TIPP : Grundsätzlich kann man sagen, das eine einstellige Straßennummer in Island auf Asphalt hinweist. Bei zweistelligen Nummern ist gewalzter Schotter zu erwarten. Bei dreistelligen Straßennummern sind Allradantrieb (4×4) und Stollenreifen sinnvoll bzw. Pflicht.  Befindet sich ein „F“ vor einer dreistelligen Straßennummer, bedeutet dieser Buchstabe meiner Erfahrung nach, F wie Finger weg … 😉

Auf einer Straße mit zweistelliger Nummer
Auf einer Straße mit zweistelliger Nummer© ferienwohnungen.de

Jahreszeitlich waren wir im Juli unterwegs. Auf Island heißt das, es herrscht eine Durchschnittstemperatur von ca. 18° Celsius. Unser erster Anstieg führte uns auf ca. 1.000 m Höhe. Die Temperatur fiel hier auch im Juli binnen Minuten auf gerade mal 1° Celsius! Mangels warmer Hände ist mir kein Foto mehr gelungen. Darauf war ich nun gar nicht vorbereitet.

Endlich geht es los!
Endlich geht es los!© ferienwohnungen.de

Detifoss und Námafjall

Als Highlight haben wir dann gleich den Dettifoss Wasserfall besucht. Mit 44 m Höhe sehr imposant und sehr laut. Auffällig in Island ist, dass es keinerlei Absperrungen gibt. Wir konnten so nah an den Wasserfall heran, wie wir es uns zutrauten. Der Weg dorthin war dann auch unser erstes „Offroad“ Erlebnis auf einer Straße mit zweistelliger Nummer. Allgemein gilt in Island, das sich der Mensch der Natur anzupassen hat, nicht die Natur dem Menschen. Das wurde an vielen noch folgenden Beispielen deutlich. Wie ich finde, eine sehr gute Einstellung.

Der Wasserfall Dettifoss
Der Wasserfall Dettifoss© ferienwohnungen.de

Die Gegend des Námafjall ist auch einen Besuch wert. Hier gibt es heiße Quellen zu bestaunen, die aus 1.000 m Tiefe bis zu 200° Celsius heißes und schwefelhaltiges Wasser an die Oberfläche befördern. Der Geruch ist unbeschreiblich. In früherer Zeit wurde der Schwefel für die Herstellung von Schießpulver gewonnen. Hier konnte ich dann einen Nachfahren der Wikinger fotografieren. Aber nein, es ist nur mein Zimmernachbar.

Heiße Quellen auf dem Námafjall
Heiße Quellen auf dem Námafjall© ferienwohnungen.de

Nachteilig bei der Tour mit dem Motorrad ist, das immer mit diesem Outfit gelaufen oder gar gewandert werden muss.

In Reykjavik

Reykjavik, die Hauptstadt Islands, kann einfach nicht beschrieben werden! Das muss selbst erlebt werden. Der Kontrast zwischen modernen Hochhäusern und alten Fischerhäusern ist natürlich Geschmackssache. Insgesamt zwei Tage habe ich mich dort aufgehalten. Viel mehr wäre nötig gewesen.

Hallgrímskirkja und das Denkmal für Leif Eriksson
Hallgrímskirkja und das Denkmal für Leif Eriksson© ferienwohnungen.de

Trotz der lediglich 121.000 Einwohner ist Reykjavik sehr lebendig und bietet ein aktives Kulturleben. Unsere abendliche Einkehr in einer Wikingerkneipe wird mir lebhaft in Erinnerung bleiben. Das gesamt innere vermittelte die Atmosphäre eines Wikingerschiffes, einschließlich der Schwankungen … was natürlich auch auf den Genuss des ausgeschenkten Metes (Honigwein) zurückgeführt werden könnte …

Skulptur "The Sun Voyager" in Reykjavík
Skulptur „The Sun Voyager“ in Reykjavík© ferienwohnungen.de

Nach Islands Finanzkrise (2008-2011) ergaben sich für Touristen wieder bessere Wechselkurse. Ungeachtet dessen ist das Leben in Island für Touristen aber immer noch recht teuer.

Der Gletscher Langjökull

Um auf den Gletscher Langjökull zu kommen, haben wir uns ein standesgemäßes Gefährt gemietet. Mit normalen 4×4 oder gar dem Motorrad wären wir hier chancenlos. Auch der einheimische Fahrer hatte sich als sinnvoll erwiesen, nicht nur wegen seiner Fahrkünste. Er hat auf dem Weg dorthin sehr viel erzählt. In Island spricht nahezu jeder perfekt Englisch!

4x4 für die Fahrt auf den Gletscher
4×4 für die Fahrt auf den Gletscher© ferienwohnungen.de

Auf dem Gletscher selber, durfte bis vor kurzem noch gefahren werden wie gewollt. Aufgrund vieler Gletscherspalten, die für ungeübte fast nicht zu erkennen sind, ist nun aber ein Tourguide Pflicht. Einige amerikanische Besucher vor uns hielten das für unnötig, und gelten seitdem als vermisst … zumindest sagte das unser Fahrer. Auf jeden Fall sollte man nicht ohne erfahrenen Tourguide auf dem Gletscher herumlaufen oder fahren. Auch so hat es viel Spaß gemacht und unser Guide hat auch mal „Gas“ gegeben. Unsere Motorradkleidung, bisher eher hinderlich, war nun mal wieder optimal.

Fahrt mit Snowmobil auf dem Gletscher Langjökull
Fahrt mit Snowmobil auf dem Gletscher Langjökull© ferienwohnungen.de

Gullfoss, Strokkur und Thingvellir

Der bekannte Gullfoss Wasserfall darf natürlich bei einem Islandaufenthalt nicht fehlen. Dieser liegt im sogenannten „Goldenen Dreieck“. Das bezeichnet diverse Sehenswürdigkeiten, die alle innerhalb eines Tagesausfluges ab Reykjavik erreichbar sind. Entsprechend touristisch geht es dort zu, was sich in einer Vielzahl von Reisebussen widerspiegelt. Das ist natürlich gut für die isländische Wirtschaft. Mir persönlich hat das nicht so gut gefallen.

Am Wasserfall Gullfoss
Am Wasserfall Gullfoss© ferienwohnungen.de

Der Geysir Strokkur gehört auch dazu. Imposant, aber ebenfalls leider sehr touristisch. Auffällig auch hier, keinerlei Absperrungen!

Und natürlich Thingvellir – zwischen den Kontinentalplatten. Hier driften die amerikanische und die eurasische Platte jährlich um etwa 2 cm auseinander. Wer möchte, kann auch zwischen den beiden Kontinenten tauchen gehen … Das ist sicherlich auch ein tolles Erlebnis.

Thingvellir
Thingvellir© ferienwohnungen.de

Ein Besuch der „blauen Lagune“ darf natürlich nicht fehlen. Die „Bláa Lónið“ ist ein Salzwassersee und Thermalbad bei Grindavík auf der Reykjanes-Halbinsel. Sie liegt nahe der Hauptstadt Reykjavík und ist eine Touristenattraktion in Südwest-Island. Der See entstand als „Abfallprodukt“ eines nah gelegenen Geothermalkraftwerkes. Das heiße Wasser aus dem Boden wird zum Betrieb eines Kraftwerkes genutzt. Da es mit fast 200° Celsius zu heiß ist, wird es in diesem Becken vorab abgekühlt.

Die "Blaue Lagune"
Die „Blaue Lagune“© ferienwohnungen.de

Aus der Rundreise wird nichts

Hier erreichte uns dann die schlechte Nachricht, dass wir es nicht schaffen würden, Island komplett zu umrunden. Der Vulkan Hekla im Süden des Landes war aktiv geworden. Zwar nicht ausgebrochen, aber die Aktivität hat ausgereicht, um Teile des nahegelegenen Gletschers abschmelzen zu lassen. Die Schlammlawine hat die Ringstraße 1, auf der wir unterwegs waren, auf mehreren Kilometern einfach weggerissen. Eine Umgehung durch das Hochland war möglich. Allerdings nur über Straßen mit einem „F“ vor der Straßennummer! Nicht alle aus der Gruppe trauten sich das zu.

Beeindruckende Landschaft auf Island
Beeindruckende Landschaft auf Island© ferienwohnungen.de

Da wir einen fixen Rückreisetermin hatten, wurde beschlossen, die Weiterreise wieder rückwärts anzutreten. Somit fielen für uns Whalewatching und ein Besuch bei den Papageientauchern von Vík í Mýrdal aus …
Auch das ist Island. Aber die Menschen hier sind alle so gelassen. Niemanden stört das so wirklich.

Auf dem Rückweg besuchtes Freilichtmuseum
Auf dem Rückweg besuchtes Freilichtmuseum© ferienwohnungen.de

Dafür kamen wir auf unserem Rückweg noch in den Genuss von anderen spontan aufgesuchten Sehenswürdigkeiten sowie der Gesellschaft der allgegenwärtigen kleinen Islandpferde, die uns oft begegneten.

Allgegenwärtig: Die kleinen Islandpferde und oftmals nicht eingezäunt
Allgegenwärtig: Die kleinen Islandpferde und oftmals nicht eingezäunt© ferienwohnungen.de

Und es tat sich uns noch so mancher eindrucksvoller Ausblick direkt vom Sattel auf …

Impressionen vom Sattel aus
Impressionen vom Sattel aus© ferienwohnungen.de

Fazit

Island! Jederzeit wieder. Nach meiner Rückkehr aus Island wusste ich zumindest, wo ich noch einmal hinfahren würde. Und ich wusste nun, dass man viel mehr als zwei Wochen Zeit benötigt um all die Schönheiten zu sehen, die auf dem Weg lagen. Obwohl ich ein begeisterter Motorradfahrer bin, würde ich gerade diese Tour, dann doch lieber mal mit einem Allradgefährt wiederholen. Auch stehen noch die Papageientaucher und die Wale aus! Das habe ich mir fest vorgenommen. Dann hält mich auch der Vulkan Hekla nicht auf.

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4 Gedanken zu “Island mit dem Motorrad – geht das?

  1. Kann ich nur alles besätigen. Island ist so einzigartig … das muss man er-fahren haben. Also eine schöne Pflicht für einen Enduroerprobten. Fahrtechnisch ist alles dabei. Einige Geheimnisse erreicht man nur auf den F gekennzeichneten Pisten. Flussdurchfahrten und absolute Einsamkeit gilt es hier zu bewältigen. Aber das wäre nach dem im Bericht Erlebten noch eine echte Herausforderung für einen Wikinger.

  2. Wenn das ganz nicht so teuer wäre, würde ich den Urlaubär sofort in den Tankrucksack stecken und mich auf den Weg machen … 😉

    1. Hallo Wolfgang!
      Jens hat uns mitgeteilt, dass ihn die Rundreise mit dem Motorrad so ungefähr 2.900,00 EUR gekostet hat. Und das war inklusive Benzin, Verpflegung und Unterkunft (Hotel).

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